Mein erstes Mal

Von meinem ersten Mal möchte ich drei Varianten präsentieren, von denen allerdings nur eine der Wahrheit entspricht.

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Es könnte furchtbar schlecht gewesen sein, so schlecht, dass es schon nicht mehr lustig war. Wir haben uns hinterher frustriert angesehen, nicht in die Augen, sondern eher verschämt aneinander vorbei, keinem war zum Lachen zumute, und wäre es nicht mein erstes Mal gewesen, würde ich heute auf jeden Fall mein zweites Mal als mein erstes Mal bezeichnen, denn das erste Mal war so schlecht, dass ich beinahe lebenslänglich die Lust auf Sex verloren hätte. Was zum Glück nicht passiert ist, denn das zweite Mal war so fantastisch, dass ich nicht nur gerne daran zurückdenke, sondern es in mir eine dauerhafte Leidenschaft für interessanten, leidenschaftlichen und kreativen Sex geweckt hat.

Es könnte so mittelmäßig gewesen sein, wie es das erste Mal zu sein hat. Ein bisschen peinlich, ein bisschen unbeholfen, ein bisschen komisch, ein bisschen … nein, nicht nur ein bisschen, sondern vollkommen anders als man es sich gewünscht oder vorgestellt hat. Handwerklich ungeschickt, die Leidenschaft mehr gespielt als gefühlt, mehr geredet und gedacht als gemacht und gelacht, selbstverständlich ohne Höhepunkt, dafür mit einem Gefühl danach als wäre man das erste Mal im Leben Kinderkarussell gefahren: Was, nur zwei Minuten im Kreis gedreht, und das war schon alles? Und was, bitteschön, soll daran so toll sein? Trotzdem mit dem Gefühl im Hinterkopf, dass man das so bald wie möglich wiederholen will, dann aber mit mehr Geschick, mehr Leidenschaft, mehr machen und weniger denken, mehr lachen und weniger reden, und vielleicht auch mit einem Höhepunkt. Das Gefühl danach, sagt man sich, sollte mehr Achterbahn als Kinderkarussell sein, und tatsächlich, beim dritten oder vierten Mal stellt man fest, dass es zwar häufiger Kinderkarussell als Achterbahn ist, aber das macht nichts, solange es wenigstens ab und zu Achterbahn ist und man hinterher total geflasht nebeneinander liegt und fragt: „Hey, wie geil war das denn?“

Es könnte auch so grandios gewesen sein, dass ich davon noch meinen Enkeln erzählen würde. Er war schon ein wenig erfahrener, es war nur mein erstes Mal und nicht seins, und er war einfühlsam, rücksichtsvoll, respektvoll, leidenschaftlich, kreativ, empathisch, aber auch ein bisschen frech, forsch, frivol und fordernd, und man wünscht sich seitdem bei jedem Sex, dass er nur halb so gut sein möge wie bei diesem ersten Mal.

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